Maria Klein-Schmeink MdB, Gesundheitspolitische Sprecherin

Gesundheit

Zu viele Menschen landen mit psychischen Erkrankungen in stationären Einrichtungen

Menschen mit psychischen Erkrankungen brauchen schnelle und leicht zugängliche Hilfe, damit sich ihr Leiden nicht verschlimmert oder chronisch wird. Die langen Wartezeiten auf einen ambulanten Therapieplatz scheinen jedoch genau weiterhin die Entwicklungen zu fördern, die eigentlich verhindert werden soll: zu viele Menschen landen weiterhin mit psychischen Erkrankungen in stationären Einrichtungen. Die Antworten auf unsere Kleine Anfrage zeigen, dass seit 2010 immer mehr Fallzahlen in psychiatrischen Krankenhäusern zu verzeichnen sind. Besonders drastisch zeigt sich dies bei den Fallzahlen von Kindern und Jugendlichen. Zwischen 2010 und 2017 haben die Fallzahlen in Kinder- und Jugendpsychiatrien um mehr als 30% zugenommen. Es gilt deshalb mehr denn je die Prävention, Versorgung und Nachsorge von Kindern und Jugendlichen in den Blick zu nehmen und weiterzuentwickeln, denn sie benötigen häufig parallel Unterstützung aus verschiedenen Hilfesystemen, die stärker miteinander vernetzt werden müssen.

Auch die Zunahme der Verordnungen von Psychopharmaka um 20% seit 2010 macht Sorge. Dies stellt uns zunehmend vor die Frage, was passieren muss, um eine zwangsarme, schonende aber auch wirklich der Patientin und dem Patienten nützende Versorgung zu erreichen. Dazu braucht es neben einer systematischen Erforschung zur Evidenz und Nebenwirkungen von Psychopharmaka sowie einer besseren und verbindlichen Aufklärung, auch bessere strukturelle Bedingungen durch ausreichend psychotherapeutische, psychiatrische und psychosoziale Hilfen.

Schnelle und unkomplizierte Hilfe erreicht man nur durch genügend psychotherapeutische Plätze ohne lange Wartezeiten und Angebote der ambulanten Krisenintervention. Dies gilt auch nach einem stationären Aufenthalt, um Wideraufnahmen zu vermeiden. Für schwer oder chronisch Erkrankte sind zudem besser strukturierte Behandlungswege zwischen stationärer und ambulanter Versorgung mit festen Ansprechpartnern nötig. Die bereits existierenden Modellprojekte müssen ausreichend evaluiert werden und bei Erfolg auch endlich flächendeckend umgesetzt werden.

Hier finden Sie die Antwort auf die Kleine Anfrage.

zurück