Maria Klein-Schmeink MdB, Gesundheitspolitische Sprecherin

Psychische Gesundheit

Statement zum Welt-Suizid-Präventionstag

Zum heutigen Welt-Suizid-Präventionstag erklärt Maria Klein-Schmeink, Sprecherin für Gesundheitspolitik:

Noch immer sterben in Deutschland jährlich fast 10.000 Menschen durch Suizid. Und noch immer ist das Thema Suizid in unserer Gesellschaft tabuisiert und mit vielen Vorurteilen belastet. Diese Tabus müssen wir überwinden, damit Betroffene sich trauen, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Menschen in schweren Krisen dürfen nicht allein gelassen werden, sondern müssen niedrigschwellig und schnell qualifizierte Hilfe finden. 

Schnelle Hilfe und Therapie verhindern, dass psychische Belastungen sich verschlimmern oder chronisch werden. Der Besuch beim Psychiater, der Psychotherapeutin, dem Krisendienst oder der Beratungsstelle müssen für Betroffene so selbstverständlich werden wie der Arztbesuch bei einem Beinbruch.  Dafür braucht es jedoch auch ausreichend Unterstützungsangebote in allen Lebensphasen, niedrigschwellige Krisenangebote und mehr Psychotherapieplätze ohne lange Wartezeiten. Wartezeiten auf einen Therapieplatz von bis zu 20 Wochen sind viel zu hoch, um schnelle Hilfe leisten zu können.

Wichtig sind auch – und besonders auch in Corona- Zeiten - Hilfsangebote für besondere Zielgruppen wie z.B.  ältere Menschen zu schaffen. Denn gerade Personen im sehr hohen Alter sind häufig von Einsamkeit betroffen. Alleinlebende sind einer 1,5- bis 2,5-mal höheren Wahrscheinlichkeit ausgesetzt, eine psychische Krise oder Erkrankung zu erleiden.  

Weiterhin müssen wir Kinder und Jugendliche gesondert fördern, da sie sich in anderen Lebensumständen wiederfinden. Dafür braucht es spezielle, auf junge Menschen ausgerichtete, Therapien und weitere Unterstützungsangebote. 

Auch die Folgen der Covid-19-Pandemie auf die Psyche sollten wir verstärkt in den Blick nehmen. Ergebnisse einer Studie weisen darauf hin, dass die Isolation und das sogenannte „social distancing“ zu mehr Einsamkeit und Depressionen führe. Dabei seien vor allem junge Menschen betroffen. Es ist deshalb mehr denn je gefragt, aufeinander zu achten und die Hilfen und Präventionssarbeit weiter auszubauen.

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