Maria Klein-Schmeink MdB, Gesundheitspolitische Sprecherin

Pflege

Psychiatrien im Fokus der Sommertour in Münster

Zum Start habe ich die LWL-Klinik in Lengerich besucht. Dabei standen die Anforderungen an die Psychiatrische Pflege, das aktuelle Verfahren zur Personalbemessung, die Erfahrungen im Einsatz von EX-IN-MitarbeiterInnen, die Krankenhausplanung und die Investitionsfinanzierung im Mittelpunkt des Besuches.  Sehr beeindruckt hat mich die Station für Hörbehinderte PatientInnen, ein bundesweit (fast) einmaliges und deshalb besonders bedeutsames Versorgungsangebot. Der Gedenkpfad zur Erinnerung an die Opfer der nationalsozialistischen Euthanasie hat mich richtig still werden lassen. So wichtig, dass sich eine Einrichtung auch der dunklen Zeit seiner Vergangenheit stellt. 433 Menschen wurden von hier deportiert.  

Nachmittags hatte ich ein Gespräch mit Dorothea Sauter, der Präsidentin der Psychiatrischen-Pflege Fachgesellschaft. Es ging um die Sorgen der DFPP bezüglich des aktuellen Entwurfs des Gemeinsamen Bundesausschusses für die Personalausstattung in der stationären Psychiatrie, sowie generelle Fragen zur psychiatrischen Versorgung. Ich meine, dass die psychiatrische Pflege das Behandlungsklima auf den Stationen entscheidend prägt. Gerade sie sind wichtige AnsprechpartnerInnen für Patienten und Patientinnen.  

Bei meinem Besuch in der LWL-Klinik Münster konnte ich mich über die aktuelle Situation in der Pflege, der Personalbesetzung und zum Umweltmanagement an der Klinik informieren. Gerade die verschiedenen Umweltschutzaktivitäten, sowie das regionale und biologische Essensangebot der Klinik fand ich spannend. Intensiv haben wir über das Spannungsfeld von Hilfe und Zwang in der Psychiatrie diskutiert. Besonders der Personalrat bestätigte, dass es einen engen Zusammenhang gibt, zwischen der Personalbesetzung und den Möglichkeiten in Krisensituationen deeskalierend zu wirken.

Ein weiterer Bestandteil meiner Sommertour, war das Gespräch mit der aktuellen Lehrgangsgruppe für Genesungsbegleiter. Hier konnte ich mich mit den TeilnehmerInnen über ihre Wünsche und Forderungen an die Politik austauschen. Diese ExpertInnen in eigener Sache sind wichtige Vermittler auf psychiatrischen Stationen. Frau Tönnes, Leiterin von LebensArt hat mich im Zuge des Treffens auf die Tagung von GenesungsbegleiterInnen eingeladen bei der (unter anderem) Teams aus der psychiatrischen Praxis über ihre multiprofessionelle und mehrperspektivische Zusammenarbeit berichten.

Am dritten Tag meiner Tour durfte ich in der Forensischen Psychiatrischen Klinik der Alexianer in Münster hospitieren. In der Christophorus Klinik werden 54 straffällig gewordene, intelligenzgeminderte Patienten behandelt, bei denen das Gericht eine Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus gemäß § 63 StGB angeordnet hat. Die Patienten sind ausschließlich männlich. Ich durfte einige Patienten kennenlernen, einige Stationen sehen und bei der morgendlichen Teambesprechung dabei sein. Mein Highlight: ein Patient, der mir stolz sein Zimmer gezeigt hat, ich verrate nicht zu viel wenn ich sage: ein echter BVB-Fan. Beeindruckend, was dort geleistet wird.

Am Nachmittag ging es dann in das LWL Universitätsklinikum in Bochum. Besonders spannend waren die Modellvorhaben der Klinik, die sich um eine möglichst flexible Patientenversorgung bemühen und dabei die stationären und ambulanten Behandlungen je nach Bedarf der Patienten verzahnen. Gerade das sogenannte „Track“-Modell der Universitätsklinik fand ich interessant. Dabei sollen anhand struktureller Veränderungen in einer psychiatrischen Klinik gezeigt werden, dass eine substantielle Reduktion von Zwangsmaßnahmen zu erreichen ist. Tatsächlich hat eine Studie der Klinik gezeigt, dass durch die Veränderung der Rahmenbedingung die Anzahl von Zwangsmaßnahmen bei den betroffenen Fällen tatsächlich reduziert werden konnte.

Die nächste Haltestelle meiner Tour war das Apartmenthaus Warburg, das der LWL-Wohnverbund Marsberg als Angebot für Menschen mit einer psychischen Erkrankung/Behinderung oder Suchterkrankung unterhält. Andrea Engelmann, Leiterin des LWL-Wohnverbundes Marsberg, stellte zunächst das Gesamtangebot des LWL-Wohnverbundes Marsbergs vor. Es folgten die Vorstellung des Ambulant Betreuten Wohnens und speziell des Warburger Leistungsangebotes. Seitens der Politik sehe ich einige Handlungsbedarfe, die mir über das Gespräch nochmal deutlich geworden sind. Zum einen muss, wenn der stationäre Bereich abgebaut wird, der ambulante Bereich stärker gefördert werden. Zum anderen muss sichergestellt werden, dass Menschen mit Handicap „normal“ leben können. Finanzielle Aspekte dürfen für die Wahl der Wohnform nicht ausschlaggebend sein. Ein selbstbestimmtes Leben ist für jeden Menschen wichtig.

Am letzten Tag meiner Sommer-Thementour konnte ich die Abteilung für Kinder- und Jugendpsychiatrie in der LWL Klinik in Marl-Sinsen besuchen. Hier durfte ich miterleben wie wichtig die Berufsgruppen übergreifende Zusammenarbeit für die Behandlung von Kindern und Jugendlichen ist. Gerade für die jungen Menschen geht es nie nur um Behandlung, sondern es geht um die Einbettung von Therapie in Entwicklungs,- und Wachstumsprozesse. Deshalb ist es so wichtig, dass das Leben auf den Stationen den Grundbedürfnissen von Kindern und Jugendlichen gerecht wird. Die Zusammenarbeit von ErzieherInnen, PädagogInnen und Psychiatrischer Pflege, sowie anderen TherapeutInnen ist nicht wegzudenken. Das muss sich im Personalschlüssel wiederfinden.

 

 

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