Maria Klein-Schmeink MdB, Gesundheitspolitische Sprecherin

Gesundheitspolitik

Autor*innenpapier „Starke Forschung für gute Gesundheit – in der Pandemie und darüber hinaus“

Statements zum MdB-Papier „Starke Forschung für gute Gesundheit – in der Pandemie und darüber hinaus“

Maria Klein-Schmeink, stellvertretende Fraktionsvorsitzende und gesundheitspolitische Sprecherin:

Forschung nimmt bei der Bewältigung der Pandemie einen zentralen Stellenwert ein. Nur so konnte im rasanten Tempo viel Wissen über das Virus und seine Eigenschaften generiert werden, das Gesundheitswesen seine Therapieverfahren und Behandlungsmöglichkeiten an dieses Wissen anpassen und weiterentwickeln und im Rekordtempo neue Impfstoffe entwickelt werden. Für das Gesundheitssystem sind solche Erkenntnisse von enormer Bedeutung und leisten einen wichtigen Beitrag für die Patientenversorgung.

Dennoch zeigen sich in einigen Bereichen weiterhin erhebliche Forschungslücken. Dabei mangelt es an Deutschland nicht an Forschungsgeist. Aber der Bundesregierung fehlt weiterhin ein langfristiger und vorausschauender Blick, oftmals werden Themen von der Bundesregierung erst dann angegangen und entsprechende Forschung gefördert, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist oder wenn der öffentliche Druck wächst. Besonders deutlich wird dies bei der bisher mangelnden systematischen Ausweitung von Genomsequenzierungen zur Entdeckung von Virus-Mutationen. Aber auch bei Erkenntnissen zu möglichen Langzeitfolgen durch Covid-19 hinkt Deutschland hinterher. Hier brauchen wir endlich umfangreichere Erkenntnisse, um eine angemessene Versorgung und Nachbehandlung von Covid-19-Patient*innen sicherzustellen. Weitere Versäumnisse wären hier fatal.“

Kai Gehring, Sprecher für Forschung, Wissenschaft und Hochschule:

„Wirksame Pandemie-Bekämpfung ist nur auf der besten wissenschaftlichen und evidenzbasierten Grundlage möglich. Das Virus ist seit über einem Jahr bekannt, doch die Bundesregierung hat mit ihrer Forschungsministerin Monate verstreichen lassen, ohne zentrale Forschungsfragen an die Wissenschaft zu adressieren und Wissenslücken zügig zu schließen. Diese eklatanten forschungspolitischen Versäumnisse führen bis heute zu klaffenden Wissenslücken der Regierung im Kampf gegen das Virus. In der Medikamentenforschung wären wir längst weiter, wenn das Forschungsministerium das Thema frühzeitig erkannt hätte und angegangen wäre. Aktuell, mitten in den Pandemiekrise, dürfen vielversprechende Vorhaben nicht am Geld scheitern – wenn zugleich sichergestellt wird, dass die Ergebnisse dann zu fairen Preisen allgemein verfügbar sind. Die Bundesregierung hat versäumt, die Virus-Übertragung in speziellen Umfeldern, beispielsweise dem öffentlichen Nahverkehr oder der Schule, gezielt und systematisch erforschen zu lassen. Auf solch breiter Basis ließen sich jetzt viel präzisere Eindämmungsmaßnahmen anwenden und verantwortungsvolle, wissenschaftsbasierte Öffnungsszenarien entwickelt werden.

Wenn Kanzlerin und MPK nächste Woche nicht auf Grundlage eines breitmöglichsten Forschungswissens entscheiden können, liegt das an wissenschaftspolitischen Versäumnissen von BMBF, BMG und Kanzleramt in den letzten Monaten. Darum gehört unverzüglich und unbedingt auf die Tagesordnung, bestehende Wissenslücken durch kluge Forschungsförderungspolitik systematisch zu schließen. Das ist eine entscheidende Voraussetzung für jede langfristig wirksame Corona-Strategie, die wir so dringend brauchen.

Die Krise hat schonungslos offengelegt, wo unser Forschungssystem Schwachstellen hat. Allein in der letzten Woche gab es öffentliche Aufrufe des Wissenschaftsrats, der Hochschulrektorenkonferenz und aller 16 Landeswissenschaftsministerinnen und -minister für die Stärkung der Forschung. Höchste Zeit, dass diese in der Bundesregierung erhört werden!“

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