Maria Klein-Schmeink MdB, Gesundheitspolitische Sprecherin

Psychische Gesundheit

Suizidprävention weiter stärken

Video zur Rede

Rede im Bundestag vom 23. Juni 2017:

Sehr geehrte Präsidentin! Meine lieben Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Frau Kühn-Mengel, es ist mir eine Ehre, Ihnen heute, nach dieser besonderen Rede, noch einmal Danke zu sagen. Dass es zum Abschluss dieser Wahlperiode zu einem solchen interfraktionellen Antrag kommen konnte, ist ja auch Ihnen zu verdanken. Ich bin froh, dass wir in dieser Wahlperiode ein so wichtiges Thema so positiv abschließen können. Ich gestehe, dass ich es sehr gut gefunden hätte, wenn wir auch die Fraktion der Linken hätten einbeziehen können. Ich weiß durch die vorherigen Gespräche, die wir geführt haben, auch durch die gemeinsame Erklärung, die wir beim letzten Welt-Suizid-Präventionstag 2016 zusammen verfasst haben, dass das durchaus möglich gewesen wäre. Ich glaube, das hätte uns angesichts der grundlegenden Bedeutung dieses Themas gut angestanden. Aber ich glaube, das Ganze ist damit nicht zu Ende.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD)

Wir alle sind aufgerufen, uns beispielsweise am 10. September 2017 wieder gemeinsam für die Enttabuisierung des Suizids einzusetzen und dieses Thema besprechbar zu machen. Gerade die Politik ist aufgerufen, in dieser Beziehung zu helfen, und in diesem Zusammenhang wäre ein gemeinsames Signal durchaus förderlich. Wir haben es eben gehört: Jeder braucht in der Tat einen Menschen, der bereit ist, ihm zuzuhören, da zu sein. Genau daran hapert es ja sehr oft. Dass es hapert, hat auch damit zu tun, dass dieses Thema so stark mit Tabus, mit Vorurteilen, mit Ängsten, mit Scham belegt ist. Das alleine macht oftmals frühzeitige Hilfe unmöglich oder erschwert sie, weil das Thema einfach nicht beredbar ist. Das zeigt schon, wie wichtig der Zusammenhang von Aufklärung, Information und Akzeptanz gerade für diesen Bereich ist. Deshalb ist es so wichtig, dass wir es schaffen, eine gemeinsame Haltung zu haben. Ich sage das auch im Hinblick darauf, dass wir ja eine durchaus schwierige Debatte zum Thema Sterbehilfe hatten. Das ist ein ganz anderer Themenbereich, aber er zeigt: Immer dann, wenn nicht genug zur Suizidprävention und zur Hilfeleistung im Vorfeld getan wird, kommen Menschen in Situationen, wo sie tatsächlich das Gefühl haben, dass es keinen anderen Ausweg mehr gibt. Wir wissen: In der Regel ist das eine Verengung der Sichtweise und die Zuspitzung einer Lebenskrise. Oftmals sind das Reichen einer Hand, die helfende Hand, aber auch das Zuhören ganz wichtige Faktoren.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)

Von daher finde ich es ganz wichtig, dass wir es geschafft haben, diese interfraktionelle Initiative zu ergreifen.

Es ist wahr: 2015, als wir unseren Antrag eingebracht haben, enthielt er einige Punkte mehr. Aber letztendlich, Frau Wöllert, ist es nicht entscheidend, ob wir eine vollständige Aufzählung der Ursachen und der Handlungsansätze machen und ob wir uns vollkommen einig sind. Es ist wichtig, dass wir uns darüber einig sind, dass wir etwas tun wollen, dass wir uns darüber einig sind, dass wir unsere Hilfen und Angebote bündeln müssen, besser aufeinander abstimmen müssen und dass wir in den jeweiligen Bereichen das tun, was uns möglich ist. Daran scheitern wir im Bundestag häufig, weil wir Hilfeleistungen auf verschiedene Sozialgesetze verteilen, weil mal der Bund, mal die Länder, mal die Kommunen zuständig sind. Das ist aber etwas, was der einzelne Mensch in einer solchen Situation gerade nicht gebrauchen kann.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD)

Deshalb ist es so wichtig, dass wir diese gemeinsame Erklärung, die 18 Handlungspunkte, die genannt worden sind, als eine Verbindlichkeit ansehen, die wir in die nächste Wahlperiode mitnehmen. Wir müssen darauf schauen: Sind unsere Hilfsangebote wirklich angemessen? Sind sie stetig genug? Sind sie gut genug aufeinander abgestimmt? Gestern Abend, sehr spät, hatten wir eigentlich die gleiche Debatte: die Debatte über die Kinder von psychisch kranken Eltern. Dort haben wir eine ganz ähnliche Gemengelage.

Von daher bin ich sehr froh, dass wir es geschafft haben, diesen Antrag auf den Weg zu bringen. Ich hoffe, dass wir hier weitermachen. Es geht um die Verkürzung von Wartezeiten für die Psychotherapie, es geht um die Verstetigung von Beratungsangeboten von verschiedenen psychosozialen Initiativen und Beratungsstellen, es geht um die Arbeit – sie wurde schon genannt – von [U25], einem Onlineberatungsangebot von Jugendlichen für Jugendliche, das für dieses Jahr finanziert ist, aber nicht darüber hinaus.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Das sollten wir als Ansporn nehmen, rechtzeitig dafür zu sorgen, dass eine solch wichtige Arbeit, bei der eine bundesweite Onlineberatung angeboten wird, rechtzeitig verstetigt wird, und solche niederschwelligen Angebote auch wirklich vorzusehen.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

In dem Sinne bin ich sehr froh, dass es zu dieser gemeinsamen Initiative gekommen ist. Ich hoffe, dass wir weiter gemeinsam daran arbeiten.

Danke schön.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der CDU/CSU und der SPD sowie der Abg. Birgit Wöllert [DIE LINKE])

Weitere Informationen zum interfraktionellen Antrag

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