Maria Klein-Schmeink MdB, Gesundheitspolitische Sprecherin

Pressemitteilung

Menschen in schweren Lebenskrisen brauchen schnelle Hilfen

Anlässlich des Welt-Suizid-Präventionstages am 10. September 2012 erklärt Maria Klein-Schmeink, Sprecherin für Prävention und Patientenrechte und Mitglied im Gesundheitsausschuss:

Der Welt-Suizidpräventionstag sollte auch der Tag sein, um politisch auf die Defizite im Gesundheitswesen hinzuweisen: Menschen, die krankheitsbedingt ihren Mut verloren haben, kann es nicht zugemutet werden, drei bis sechs Monate auf ein Erstgespräch für eine Psychotherapie zu warten. Dies ist jedoch heute in einigen ländlichen Regionen und auch einigen Ballungsräumen der Fall. Deshalb fordern wir, dass endlich Schritte unternommen werden, die  kurzfristige Versorgung in allen Regionen sicherzustellen. Mit dem Versorgungsstrukturgesetz hat die Bundesregierung diesen Schritt versäumt. Sie hat zum Beispiel nicht dafür gesorgt den tatsächlichen Bedarf in der Bevölkerung zu erheben. Noch immer ist keine tragfähige Lösung abzusehen. Vielmehr drohen Zulassungssperren und Nichtwiederbesetzungen von Praxen, wenn der Inhaber oder die Inhaberin in Rente gehen auf Grundlage von veralteten Bedarfsplanungskriterien. Das muss verhindert werden. Die Regelung einer solch wichtigen Versorgungsfrage darf auch nicht von Interessensgegensätzen innerhalb der Selbstverwaltung blockiert werden. Für uns ist eine bedarfsgerechte Versorgung ein grundlegendes Patientenrecht. 

Viele Menschen begehen Suizid, weil sie nicht in der Lage waren, ihren Hilfebedarf zu signalisieren oder Hilfe in Anspruch zu nehmen. Bei anderen gibt es immer wieder Signale, die aber von der Umgebung nicht ernst genug genommen werden. Suizid ist ein Tabuthema und es existieren immer noch viele Vorurteile, wenn Menschen in unserer Leistungsgesellschaft nicht mithalten können.

Zum Hintergrund:
Durch einen differenzierten Umgang mit dem Thema in der öffentlichen Debatte kann die Suizid-Prävention verbessert werden. Im Jahr 2010 waren es 10.021 Menschen, die sich das Leben nahmen: 7.465 Männer und 2.556 Frauen. Damit sterben fast dreimal so viele Menschen durch Suizid wie durch Transportmittelunfälle (3.942). Vor allem Jugendliche und ältere Menschen, deren Lebenssituationen sich verändert haben, sind gefährdet. Bei Jugendlichen ist Selbsttötung die zweithäufigste Todesursache. Das Suizidrisiko ist bei Männern fast drei mal so hoch wie bei Frauen. Suizidversuche jedoch werden von Frauen deutlich häufiger verübt als von Männern.

Die Häufigkeit von versuchten und vollendeten Suiziden ist bei Mädchen und jungen Frauen türkischer Herkunft annähernd doppelt so hoch wie bei gleichaltrigen Frauen aus deutschen Familien. Die Verzweiflungstat passiert zudem oft in einem früheren Lebensalter. Kampagnen wie "Beende Dein Schweigen, nicht Dein Leben" sind wichtige Signale, um darauf aufmerksam zu machen, dass es auch für verzweifelte Menschen geeignete Hilfen gibt.

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